Wie ein Glasteller sich im Preis verzehnfacht – „Bares für Rares“-Händler legt Hand an

Der Hamburger Galerist Anaisio Guedes kauft bei „Bares für Rares“ einen Wandteller des Künstlers Günther Uecker, den er für das Zehnfache weiterverkaufen möchte. Das ist der Grund für den Preissprung.

Köln/Hamburg – Manchmal begeistert ein Objekt einen der „Bares für Rares“-Händler sofort – beispielsweise wollte kürzlich der gebürtige Brasilianer Anaisio Guedes eine Anstecknadel so sehr, dass er gleich mit seinem ersten Gebot alle Kollegen ausstach. Ähnlich ging es ihm mit einem Glasteller aus den 1970er Jahren des Malers und Objektkünstlers Günther Uecker.

Wie ein „Bares für Rares“-Händler den Preis eines Tellers verzehnfacht

Der mittlerweile 95-jährige Uecker ist unter anderem bekannt für seine genagelten Reliefs, die für eine halbe Million Euro und mehr gehandelt werden. So viel muss Anaisio Guedes für den Glasteller nicht in die Hand nehmen. Da das Interesse der anderen Händler bei „Bares für Rares“ gering ist, geht das Stück für 350 Euro an ihn.

Nun stellt sich die Frage, was mit dem Kunstobjekt passieren soll. „Ich finde, der Teller gehört in einen Rahmen“, sagt der Hamburger Galerist sofort – und bringt das Stück entsprechend zu einem Rahmenbauer. Dieser steht nun vor der Aufgabe: Wie bekommt er das runde Objekt in den eckigen Rahmen? Er darf es weder schrauben noch kleben. Und schwer ist der Teller auch noch.

Der Glasteller scheint in seinem Rahmen zu schweben - ein neues Gesamtkunstwerk ist laut Anaisio Guedes entstanden.

Der Glasteller scheint in seinem Rahmen zu schweben – ein neues Gesamtkunstwerk ist laut Anaisio Guedes entstanden. © ZDF (Screenshot: Fuldaer Zeitung)

Aber die Profis haben eine Lösung: Aus rotem und schwarzem Holz formen sie einen Rahmen, der anschließend mit mehreren Schichten Pappen ausgefüllt wird. Diese müssen stark genug sein, den Fuß des Tellers zu halten – und zwar ohne Hilfsmittel. Das Ganze gelingt tatsächlich und wird zur Sicherheit noch hinter Glas gepackt – Anaisio Guedes hat quasi ein neues Designobjekt geschaffen.

Glasteller soll nach Veredelung für zehnfachen Preis weggehen

Und das hat natürlich seinen Preis: „350 Euro habe ich für den Teller gezahlt, noch einmal 500 Euro für die Veredelung – ich werde es aber nicht für unter 3000 Euro abgeben.“ Zur Begründung für diese Gewinnspanne gibt er an, es sei ein Unikat entstanden. Jeder wisse, was ein Uecker wert sei und in dieser Form gebe es den auf 3000 Stück limitierten Teller aus den 1970er Jahren kein zweites Mal. „Das ist ein Gesamtkunstwerk.“

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